Rotkraut, Blaukraut ...
Ein einfacher Chemieversuch, den du zu Hause machen kannst.
Verfasser: Rudi Pfaller,  Email: rudipfaller@web.de 

Schneide ein wenig Rotkraut und koche es einige Minuten. Du erhältst gefärbtes Wasser. Es ist fast undurchsichtig, so dunkel ist die Farbe. Ich mache das mit dem Gasbrenner, weil ich Chemielehrer bin, aber du kannst das natürlich auch in einem Topf machen.
Gut verdünnt und gegen das Licht gehalten, kannst du die wunderschöne blaue Farbe sehen. Der Chemiker nennt sie "Anthozyan". Im Schwäbischen sagt man ja auch "Blaukraut" zum Rotkohl.

Gieße in ein kochfestes Glas (vielleicht die Kanne von der Kaffeemaschine) Sprudel und gib etwas vom Rotkrautsaft hinzu. Er wird rot. Sollte man doch eher "Rotkraut" sagen? Die Farbe kommt vom Sprudelgas, dem gelösten Kohlendioxid. Es verwandelt Wasser in Kohlensäure. Die Rotkrautfarbe Anthozyan ist ein "Indikator". Das Wort heißt auf Deutsch "Anzeiger". Die Farbe zeigt an, dass Sprudel eine Säure ist.
Die Glaskanne stellst du auf die Herdplatte und bringst den Sprudel zum Kochen. Nach einiger Zeit wird die Farbe wieder blau. Was ist passiert? Durch das Kochen ging das Sprudelgas (Kohlendioxid) verloren. Der Sprudel ist jetzt "neutral", sagt der Chemiker.

Welche Farbe bekommt der Sprudel jetzt?

Koch den Sprudel noch weiter! Du wirst erstaunt sein, welche Farbe er jetzt bekommt.  Ich verrate nichts! Er wandelt sich durch Mineralsalze, die drin sind, in eine "Lauge" um. Das ist so eine Flüssigkeit, wie sie der Bäcker für Laugenbrezeln nimmt. Die Lauge färbt Anthozyan jetzt ???. Probier's aus!
Ein Tipp: Am besten gelingt der Versuch, wenn man ein Mineralwasser hat, das viel "Natrium" enthält. Natrium wird chemisch mit "Na" abgekürzt. Auf dem Etikett der Flasche steht, wie viele Milligramm "Na" in einem Liter Sprudel sind. Durch Natrium entsteht am Ende des Experiments die "Lauge".

H. Pfaller

Februar 2002